Die Qualität des deutschen Fernsehens
Reich-Ranicki ist ein schlauer Mann. Er weiss, wovon er spricht, selbst wenn jeder denkt, er würde langsam aber sicher senil werden. Die meisten lachten am Sonntag bzw. Samstag über ihn und seine Aussagen zur deutschen TV-Kultur und anscheinend nur wenige verstanden den ernsten Kern der Aussage. Das Programm in Deutschland ist, wie RR richtig erkennt, bisweilen ein Graus. Von morgen halb neun bis 18 Uhr ist das Programm durchweg nicht tragbar und eine Zumutung für jeden Menschen mit mehr als zwei Gehirnzellen. Nun ja…fast…
Und auch nach dieser Uhrzeit tummeln sich seelische Grausamkeiten wie das „Fest der Volksmusik“, „Alles was zählt“ oder – und das ist mit das Grausamste – „K-11″ in den Programmen der Sender. Sie lassen einen denken, es gäbe in Deutschland lediglich drittklassige Schauspieler und Drehbauchautoren. Doch das dem nicht so ist, davon können wir uns immer wieder im Kino überzeugen. Filme wie „Das Leben der Anderen“, „der Untergang“, oder auch Komödien wie „der Wixxer“ zeigen uns, dass wir durchaus nicht nur minderbemittelte Wesen in unserem Land haben. Ganz im Gegenteil: Scharfsinnige Dokus mit Niveau- über Themen, die sonst kaum so offen in einem anderen Land behandelt werden- das ist ebenfalls deutsches Fernsehen. Doch leider droht diese Qualität in der Masse des Mülls unter zu gehen. Zudem werden solche Dokus nur selten gehypt und bei den privaten Sendern fallen sie komplett weg. Dort setzt man lieber auf vermeintlich billige Kopien erfolgreiche Hollywood-Produktionen. Nur selten schafft es ein hochklassiger Deutscher Film es direkt ins Fernsehen wie Contergan. Viel eher werden Zuschauer mit Dingen wie der „Schatzinsel“ gequält. Dies mag sogar auch Quote machen, jedoch ist es nicht innovativ. Es fehlt jeglicher eigener Geist. Zu hoffen bleibt, dass sich der ein oder andere Intendant ein Herz fast und nicht mehr nur auf Quote, sondern auch auf Qualität setzt. Denn eines ist klar: Das Fernsehen ist mittlerweile Mitverantwortlich für die Bildung eines Menschen. Schließlich schauen in Zeiten von Arbeitslosigkeit und wachsender Erziehungsprobleme mehr Menschen fern als jemals zuvor.

Na, wer ist denn da unter die Blogger gegangen? (Hab’ es eben zufällig bei StudiVZ entdeckt.) Ich war zunächst auch fast uneingeschränkt Marcel Reich-Ranickis Meinung was die Qualität des Fernsehens angeht. Seine Motive waren jedoch, das erkannte ich nach der Nachfolgesendung „Aus gegebenem Anlass“ im ZDF vergangenen Freitag, nicht ernstzunehmen.
Es zeigte sich, dass der „Literaturpapst“ keine Ahnung hatte, wovon er sprach, als er das versammelte Fernsehdeutschland als „Blödsinn“ beschimpfte. Seine Worte waren die richtigen, viel dahinter steckte wohl leider nicht. Schade. Die Qualitätsdiskussion wird so schnell enden, wie sie kam und dann haben wir, die Zuschauer, es wieder in der Hand: Solange Schwachsinn wie selbstproduzierte Pseudo-Formate Quoten bringen, wird sich nichts ändern.
Hey! Hatte nun schon länger überlegt, auch mal einen Blog zu machen und nun hatte ich mit endgültig dazu durchgerungen.
Da muss ich dir zustimmen. Ich bin auch mit relativ hohen Erwartungen an die Sendung rangegangen, jedoch musste ich feststellen, dass er leider wirklich nicht viel Ahnung von der Materie hat. Zwar ist seine Feststellung, dass es viel Müll im TV gibt absolut richtig, jedoch kann er diese nicht inhaltlich begründen. Mir wäre es sehr lieb gewesen, wenn es vielleicht noch andere Mitstreiter von ihm gegeben hätte, die einzelne Programme konkret ansprechen. Aber nun ja…so müssen wir auf den nächstern Donnerschlag warten. Oder eben wieder Olli Geissen einschalten. :-X