„Tödliche“ Entscheidungen – Die Bayern am Abgrund

Nachdem nun mehr als 24 Stunden seit dem Debakel von Barcelona vergangen sind, dürfte sich auch in der deutschen Medienlandschaft der erste Sturm der Entrüstung gelegt haben und so bleibt nun Zeit für eine nüchterne Betrachtung der Geschehnisse und seiner Hintergründe.

Nun…0:4 zu verlieren ist immer bitter. Wenn man FC Bayern München heisst jedoch noch ein ganzes Stück mehr. Da kann auch nicht die Tatsache darüber hinwegtrösten, dass der Gegner die momentan vielleicht beste Mannschaft der Welt war. Doch wenn man ehrlich ist, so muss man doch sagen, dass vielen schon vor dem Spiel bewusst war, dass es eine Packung geben würde. Keiner der bei mir anwesenden gab auch nur einen Cent auf einen Sieg des FCB. Und dies begründet sich nicht nur darin, dass bereits am vorigen Samstag die Bayern-Elf ungemein schlecht aussah beim 1:5 gegen Wolfsburg. Es sind viel mehr die offensichtlichen Gründe, die die Bayern in dieser Saison so schlecht abschneiden lassen:

  • Die Abwehr: Wie kann es sein, dass in einer Mannschaft, die IMMER das Aushängeschild des deutschen Fußballs darstellen sollte, jemand wie Christian Lell regelmäßig zu Einsätzen kommt? Sicher sind einige Verteidiger verletzt, jedoch ist Lell einfach ein unterdurchschnittlicher Bundesliga-Fußballer. Doch die Fehler, die zu Einsätzen von Lell führten, wurden schon viel früher gemacht. So lies man Anfang der Saison Marcell Jansen aus bisher immernoch total unverständlichen Gründen zum HSV wechseln. Einen Ersatz hatte man nur in Form von Massimo Oddo gefunden, der vielleicht ein Freund von Luca Toni, jedoch mit Sicherheit kein wirklich guter Fußballer ist, was immer wieder mehr als deutlich wird. Doch die beiden sind nicht das einzige Problem. Zwar hat sich Van Buyten wieder einigermaßen gefangen, jedoch kann er immernoch nicht an alte Glanzleistungen im Trikot des HSV anknüpfen. Viel schlimmer ist jedoch der Mann mit der 33 (?). Breno, ein Millionentransfer und angebliches Toptalent zeigt immer wieder, dass er den hohen Anforderungen eines Spitzenvereins noch nicht gewachsen ist. Hier wäre es vielleicht ratsam, ihn ähnlich wie Toni Kroos für einige Jahre zu verleihen, um ihn an das Bundesliga-Niveau heranzuführen. Ein Schritt, der bisher offensichtlich verpasst wurde. Alles in allem zeigt sich, dass die Abwehrkette selbst mit allen fitten Spielern bestenfalls so aussieht: Lahm-Lucio-Demichelis-Lell(Oddo). Bis auf Lell und Oddo sind die genannten Spieler qualitativ normalerweise auf dem Niveau, an einem guten Tag mit Barcelona mithalten zu können, doch ein Schwachpunkt wie Lell wird nunmal von einem Weltklasse-Team ausgenutzt. Ich frage mich allerdings, warum man nicht auf die Idee kommt, Altintop zurückzuziehen und als rechten Verteidiger aufzustellen?! Wie dem auch sei…ich gehe davon aus, dass wenn Lucio und insbesondere Lahm nicht gefehlt hätten, dass Ergebnis weniger dramatisch ausgefallen wäre.  Nichtsdestotrotz bleibt der Mangel auf Rechts.
  • Die Torwart-Position. Immer wieder wird die Frage nach der Qualität eines Michael Rensing gestellt. Ihren Höhepunkt nahm diese Frage Mittwoch Abend, als sich Klinsmann für Butt und gegen Rensing entschied. Ob dies richtig war, wage ich zu bezweifeln.Sicher ist Butt ein ganz guter Torwart, jedoch muss man das Vertrauen in Rensing haben, mit ihm durch Dick und Dünn zu gehen. Zumindest für eine komplette Saison. Jeder junge Spieler, im besonderen auch Torhüter, haben anfangs ein Formtief. Wenn sie sich jedoch erholen, werden sie stabiler und zu einem mehr als soliden Rückhalt. An Rensing zu sägen macht somit, zumindest während der Saison, keinen Sinn. Zumal er nicht verantwortlich für die Gegentore in Wolfsburg war.
  • Jürgen Klinsmann und die ewige Diskussion um seine Methoden, seine Ziele, gar um seine Position als Bayern-Trainer im Ganzen. Eine ruhige Arbeit ist ihm unter diesen extremen Umständen des Bayern-Fan/Presse-Umfelds nicht möglich. Dabei wäre gerade das so essentiell. Klinsmann ist kein Trainer für ein Jahr und man kann nicht darauf vertrauen, dass alle seine Methoden sofort einschlagen. Sowas benötigt Zeit und Ruhe und insbesondere letzteres wird ihm nicht gegönnt. Wochenlang schreiben Medien lächerliche Artikel über den Gebrauch von Buddha-Figuren, die Frage, ob er seine Taktik von Hitzfeld „klaut“, etc. All dies trägt ein paar Prozent dazu bei, dass es momentan nicht rund läuft. Wenn man wirklich will, dass ein Jürgen Klinsmann Erfolg beim FC Bayern München hat, dann MUSS man ihm eine faire Chance über einen längeren Zeitraum geben. Aber genau dies, war zumindest im Presseumfeld der Bayern zu keiner Zeit wirklich der Fall.
  • Personalpolitik und eigene Vermessenheit. Immer wieder landete der FCB Coups mit vermeintlichen Toptransfers. Doch gerade in dieser Saison scheint es auffällig zu sein, dass man (meines Erachtens nach) viel zu wenig zur Aufwertung des Kaders getan hat. Sicher, für die Bundesliga mag es reichen, jedoch kann man nicht so vermessen sein und wirklich annehmen, dass eine Mannschaft gut genug ist, in der Spieler wie Breno, Van Buyten, Lell, Oddo oder Ottl hohe Einsatzzeiten haben. Sie fallen qualitativ im Vergleich zum Personal anderer Spitzenclubs einfach ab.

Nun könnte man meinen, dies wäre doch eine optimale Ausgangslage für meine Eintracht, am Samstag die Bayern zu schlagen. Doch leider wird dies nicht der Fall sein. Ich kenne meinen Verein und weiss, dass er manchmal gerne der „erhoffte“ Aufbaugegner für vermeintliche Krisenclubs ist. So geschah es in Bremen in der Hinrunde und so wird es auch am Samstag sein – das sich Bayern zumindest teilweise gegen Frankfurt aus der Krise schießt. Sollte es jedoch wirklich anders kommen und die Eintracht kann an die letzten guten Spiele anknüpfen und den Bayern vielleicht einen Punkt entführen, dann scheinen die Tage von Klinsmann wirklich gezählt…

~ von marvinmendel am April 10, 2009.

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